Ein KLASSE Mann kommt nie hungrig zu einer Veranstaltung und ruiniert seine souveräne Ausstrahlung mit der Jagd nach den seltenen Häppchen des Edel-Caterers. Er hat es nicht nötig, das Eintrittsgeld der Veranstaltung „abzuessen“ oder sich den Bauch vollzuschlagen, weil die Gelegenheit günstig ist.
Der KLASSE Mann ist kein Schweiger, im Gegenteil. Manchmal ist es jedoch wichtiger, im richtigen Moment den Mund zu halten und einfach zuzuhören oder nur interessierte Fragen zu stellen. Dabei geht es nicht um plumpes „name dropping“, sondern überlegt platzierte Informationen an den richtigen Adressaten.
Ihm ist bewusst, dass er bei einem Empfang mehrere Kontakte knüpfen und pflegen sollte. Ist ein Austausch beendet, weil wenig interessant oder inhaltlich abgeschlossen, wechselt er gekonnt zum nächsten. Dabei lässt er weniger routinierte Menschen nicht einfach alleine stehen wie einen vergessenen Regenschirm. Vielmehr baut er eine Brücke zu anderen: „Da drüben steht Herbert Baier, ein Segler wie Sie, kennen Sie sich? Ich mache Sie gerne miteinander bekannt.“ Oder er nimmt den ungeübten Small-Talker einfach mit zum nächsten Gespräch: „Ah, die Sommers sind eben gekommen, frisch aus dem Urlaub. Ich bin gespannt, was sie erzählen. Wollen wir sie nicht begrüßen?“
Bei monologisierenden Selbstdarstellern, die ohne Punkt und Komma das Gespräch bestreiten, benutzt er nach einigen Minuten die Zauberformel „Apropos“ und wechselt zu einem anderen Thema, oder er wechselt mit einem „Entschuldigen Sie mich bitte“ zu einer neuen Gesprächsrunde. Zum Claqueur degradieren lässt sich der KLASSE Mann nicht. Jedoch bedient er sich keiner billigen Ausreden, wie „Ich hole mir nur schnell etwas zu trinken“, um auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.
© 2008 Sabine Schwind von Egelstein



